Ich bin für euch da !
Die „Hintergrundbilder“ in der Pfarrkirche zu Biedermannsdorf
Norbert Karaszek, 2009
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Unter den beiden Seitenaltären unserer Kirche verbergen sich hinter Gittern und Vorhängen Darstellungen von Geburt und Tod Christi: links die Weihnachtskrippe und rechts das Heilige Grab. Zu Weihnachten, dem Fest der Geburt Christi, sowie am Karfreitag wird das Gitter zur jeweiligen Szene geöffnet Der Pfarrgemeinderat hat den Religionspädagogen und Maler Norbert Karaszek ersucht, dem gläubigen Betrachter eine Hilfe zu geben, den Sinn hinter der dargestellten Szene und den Bezug zum eigenen Leben zu meditieren. |
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Anfang September 2009 wurden die Bilder in die Kirche gebracht, wo sie 2 Wochen lang frei besichtigt werden konnten, ehe sie auf ihren vorgesehenen Platz gestellt wurden.
Am Sonntag, den 13. September war es dann soweit: Die Bilder wurden am Ende der Hl. Messe vorgestellt. Norbert Karaszek selbst erklärte sein Konzept: |
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Einleitend bat Norbert die Kirchenbesucher, den Blick auf den Strahlenkranz über dem Hochaltar zu richten. Und den Pfarrer Bernhard bat er, den Tabernakel zu öffnen, damit wir den Strahlenkranz der Monstranz sehen könnten! |
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Schon als Kind waren mir als Ministrant jene seltsamen Zeichen aufgefallen, die oberhalb des Altarbildes in einem Feuerkreis den Kirchenraum geradezu dominieren. Goldene Lichtpfeile gingen von ihnen aus, fremdartig war die Inschrift und für mich nicht zu deuten... |
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Später dann, während meines Studiums, lernte ich die hebräischen Buchstaben, die von rechts nach links zu lesen sind, zu entziffern: H W H J das heilige Tetragramm, der Name, so heilig, dass er nicht ausgesprochen werden durfte. |
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Bei uns in Biedermannsdorf stand er allerdings auf dem Kopf, im Lauf der Jahre hatte der Feuerkreis sich um 180 Grad gedreht, was aber niemanden weiter zu stören schien. Ich ließ Boni, unserem damaligen Pfarrer, keine Ruhe, bis er eines Tages waghalsig die für die Renovierung aufgestellten Gerüste bestieg und – wie er zu Protokoll gab – unter Lebensgefahr den Schaden behob. Gottes Ehre war in Biedermannsdorf wieder hergestellt ... |
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H W H J Nicht nur
„Ich bin da“, sondern genauer: |
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H W H J „Ich bin für euch da!“ Sonntag für Sonntag las ich es, lag es vor meinen Augen, den Augen meiner Seele. Waren Krippe (Geburt) und Grab (Auferstehung) nicht nahezu sich selbst anbietende Interpretationen von Gottes Selbstzusage? |
| Als ich gebeten wurde, Hintergrundbilder für die Krippe und das heilige Grab in den Seitenaltären zu malen, wusste ich lange nicht, wie ich dieser formalen und inhaltlichen Herausforderung gerecht werden konnte. Es war ja per Definition Nacht auf beiden Bildern, lichtlos und finster, kein guter Ausgangspunkt für einen Maler. Starke Lichtsymbole mussten also gefunden werden, sonst wäre ja im Dunkel der Seitenaltäre gar nichts mehr zu sehen gewesen. Der Hintergrund durfte das eigentliche Geschehen nicht konkurrieren, sondern nur kommentieren. Davon und von der Größe der Bilder einmal abgesehen (eine eigene logistische Herausforderung), wollte ich ja auch keine herkömmlichen Landschaftsbilder malen, sondern das jeweilige Geschehen zeichenhaft deuten. |
Ich musste keine neuen Symbole erfinden, ich musste nur auf das zurückgreifen, was ohnedies deutlich sichtbar vor unser aller Augen vorhanden war. Ich fotografierte beide Seitenaltäre in ihrem Ist-Zustand, machte erste Entwürfe, bis ich mir sicher war, das Richtige gefunden zu haben. |
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| Hell war es laut Aussage der Schrift am Himmel über Bethlehem, merkwürdige Dinge geschahen da, die Hirten sahen kosmische Lichtsymbole. In eine angedeutete Landschaft ließ ich also den Feuerkreis der Gottes-Zusage geradezu hineinexplodieren. Ich bin für euch da! Ist das nicht gerade die Botschaft von Weihnachten? |
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Ich bin der, der ich für euch da bin und da sein werde. Das Kind in der Krippe, Maria und Josef und dahinter Gottes immerwährende Segnung in Form des Feuer- und Lichtkreises. Jedes Kind ist ein Zeichen der Zusage Gottes, dieses aber in besonderer Weise. |
| Das Heilige Grab: Finsterste Nacht, Entsetzen, Tod. Der Leichnam Jesu liegt ausgestreckt vor uns, gesalbt, umhüllt, keine Hoffnung mehr. |
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Doch da: Die göttliche Gegenwart umspielt den Körper, hebt ihn empor, aus Jesu Blut entsteht der Kelch des Lebens, angedeutet zwar nur, aber in ihm das Symbol des ewigen Lebens, Gottes lebendige Zusage, der Lichtkreis, er wandelt sich zum Brot des Lebens, wird uns ständige und immer wieder tröstende und heilende Zusage, wenn wir uns zum Mahl versammeln: Ich bin für euch da! Ich bin der, der ich für euch da bin und da sein werde. Wie gut das tut! |
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So umschließt uns von der Geburt bis zum Tod nunmehr in Biedermannsdorf in Form des Licht- und Feuerkreises Gottes liebende Selbstaussage und –zusage. Im Lauf des Kirchenjahres öffnen wir einmal auf der einen, dann auf der anderen Seite die Flügel der Seitenaltäre, um in ihrem Inneren das zu sehen, was jeden Sonntag vor unseren Augen steht, dass Gott uns nämlich immer dann nahe ist, wenn wir ihn brauchen. Nicht wir können das von Gott aussagen, ER SELBST hat es so von sich gesagt. |
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Ich bin unserem Herrn Pfarrer dankbar dafür, dass ich diese „Hintergrundbilder“ malen durfte. Es war eine Herausforderung, aber letzten Endes auch eine spirituelle Reise zurück in meine Biedermannsdorfer Kindheit und zum Ursprung meines Glaubens. Vielleicht kann man etwas davon spüren ... Norbert Karaszek |
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Erstellt: 15. November 2009 |